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Patroziniumsfest 2009

>>Bilder vom Festgottesdienst<<

Unser diesjähriges Patroziniumsfest der Ottauer Kirche "St. Johannes Enthauptung" fand am Wochenende 29. / 30. August bei angenehmem Wetter in der alten Heimat statt. Trotz des geringeren Besuches im Vergleich zum vergangenen Jahr mit etwa 75 ehemaligen Pfarrangehörigen und deren Nachkommen am Sonntag in der Kirche war es an beiden Tagen eine gelungene Veranstaltung. Einige regelmäßige Besucher waren aus gesundheitlichen oder anderen Gründen, wie fehlender Fahrmöglichkeit, dieses Jahr leider nicht dabei. In Gedanken haben wir sie aber beim "Kirta-Tanz" am Samstagabend sowie beim Gottesdienst am Sonntag mit eingeschlossen. Ein Gruß ging dabei auch besonders an unseren Ehrenvorsitzenden Johann Puritscher.

Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten in der Kirche begannen schon in der Woche davor. Franz Kopani mähte die ganze Woche über das Gras auf dem Friedhof und außen an der Friedhofsmauer entlang. Am Freitagmorgen trafen sich wie gewohnt die Frauen und Männer des Böhmerwaldvereins in Krumau mit ihrer Vorsitzenden Emma Marx an der Spitze zum Kirchputz und Schmücken. Dafür gebührt ihnen unseren herzlichen Dank! Auch Personen aus der erweiterten Vorstandschaft des Förderkreises halfen tatkräftig mit. Der überreiche Blumenschmuck, stilvoll erstellt von Emma Marx, war wieder eine Pracht und ließ die durch den Diebstahl seit Jahren verwaisten Altäre fast vergessen. Es wurde auch die Gelegenheit genutzt, die beiden Holztore des oberen Friedhofeingangs abzuschleifen und neu zu streichen sowie einige anderen kleinen Arbeiten auszuführen. Pater Müller setzte in Erinnerung an seinen Großvater ein renoviertes schmiedeeisernes Kreuz.

Gegen Mittag kam verabredungsgemäß Vikar Pícha und Bautechniker Beneš zur Kirche, um mit dem Förderkreisvorstand den Stand der Renovierung sowie die Finanzsituation zu besprechen. Die Renovierung der südlichen und nördlichen Fassade des Kirchenschiffs sowie der Sakristeifassade war noch im vollen Gange und sollte bis Ende September abgeschlossen sein. Die sanierten Außenmauern sind jetzt mit einem cremefarbigen Anstrich versehen, wie ihn die Kirche nach Aussage des Budweiser Denkmalschutzamtes bereits im 17. Jahrhundert trug! Mit ihrem freundlichen Anstrich grüßt sie jetzt die Besucher aus nah und fern. Mit den dankenswerterweise erhaltenen Zuschüssen vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und vom Kulturministerium in Prag sowie mit den Geldern des Fördervereins können die Kosten für diesen Bauabschnitt in Höhe von ca. 40.000 Euro abgedeckt werden. Der gemeinsame Rundgang zeigte leider auch neue Wasserschäden im Gewölbe des Presbyteriums, die von schadhaften Dachziegeln herrühren. Bautechniker Benes wurde mit deren dringenden Behebung beauftragt.

Am Samstagmittag um 13:00 Uhr traf sich die Vorstandschaft zur turnusmäßigen Sitzung, um die weiteren Renovierungsschritte sowie den bevorstehenden "Kirta" zu besprechen. Um 15:00 Uhr schloss sich die gemeinsame Jahreshauptversammlung von Förderkreis und Pfarrgemeinschaft an, in der die Vorstandschaft über den Stand der Kirchenrenovierung, die Finanzsituation von Förderkreis und Pfarrgemeinschaft sowie die nächsten Etappen der Kirchenrenovierung berichtete. Außerdem standen Neuwahlen an. Der bisherige Schatzmeister Herbert Erbs trat, wie von ihm bereits im vorigen Jahr angekündigt, aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl an. Ihm dankte der Vorsitzende Franz Kopani nochmals herzlich für seine jahrzehntelange Tätigkeit. Für diese Vorstandsposition stellte sich dankenswerterweise der bisherige stellvertretende Schatzmeister Alfred Kopany, dessen Vater aus Hochdorf stammt und der als Bankangestellter ein Fachmann auf dem Gebiet der Finanzen ist, zur Verfügung. Nach erfolgter Entlastung der gesamten Vorstandschaft auf Antrag vom 1. Kassenprüfer Hans-Peter Weiß durch die anwesenden Mitglieder, folgte unter der Leitung von Pater Müller die Neuwahl mit folgendem Ergebnis für die engere Vorstandschaft:

1. Vorsitzender: Franz Kopani (wie bisher)
2. Vorsitzender: Christoph Anderl (wie bisher)
Schatzmeister: Alfred Kopani (neu)
Schriftführer: Edmund Koch (wie bisher)

Pater Müller dankte den alten und neuen Vorstandsmitgliedern für ihr Engagement und ihren Einsatz zum Wohle der Ottauer Pfarrangehörigen und der Ottauer Kirche. Die Beisitzer werden bei der nächsten Vorstandsitzung gemäß Satzung offiziell berufen. Unser langjähriger zweiter Vorsitzender Josef Neubauer, der zuletzt noch als Beisitzer zur Verfügung stand, wollte aus gesundheitlichen Gründen auf dieses Amt zukünftig verzichten. Franz Kopani dankte auch ihm für seine langjährige Mitarbeit und freute sich darüber, dass Josef Neubauer dennoch auch weiterhin bei Fragen mit Rat zur Verfügung steht.

Die noch ausstehende Renovierung des Südportals inklusive der dort gefundenen Fresken und des Bodenbelages sowie der gesamten Westfassade wird ungefähr weitere 35.000 Euro kosten. Vikar Picha hofft wieder auf einen Zuschuss vom Kulturministerium in Prag, welcher aber aufgrund der Wirtschaftskrise noch unsicher ist. Das Förderkreiskonto ist derzeit ziemlich leer, so dass dringend weitere Geldquellen gefunden werden müssen. Es ist das erklärte Ziel von Vikar Picha und vom Förderkreis die Außenrenovierung der Kirche sowie die Gestaltung des Friedhofes einschließlich eines würdigen Denkmals für die dort begrabenen Ottauer Pfarrangehörigen, bis zum Jahr 2010 abzuschließen. Im kommenden Jahr feiert die Kirche nämlich ihren 500. Geburtstag, was mit einem besonderen Fest begangen werden soll. Die Vorstandschaft des Förderkreises freut sich daher nicht nur über Spenden der Mitglieder und Pfarrangehörigen, sondern auch über Ideen, wie wir weitere Gelder bekommen können?!

Vor der Marienandacht um 18:00 Uhr hatten interessierte Förderkreismitglieder und Pfarrangehörigen die Gelegenheit, sich ein Bild vom Stand der Kirchenrenovierung zu machen. Es bestätigte sich, dass die Belüftung der Kirche durch das über den Sommer offene Gitter am Westportal der Bausubstanz gut tut. Auch wirft der eine oder andere Besucher der Kirche ein paar Euro oder Kronen in den aufgestellten Opferstock, dessen Inhalt dem Renovierungskonto zugute kommt. Die Marienandacht feierte mit uns unser Heimatpriester Pater Müller. Anschließend versammelten sich die Teilnehmer auf dem Friedhof, um den hier begrabenen Vorfahren, den gefallenen und vermissten Soldaten aus den Pfarrorten, den in den neuen Heimatgemeinden verstorbenen Pfarrangehörigen sowie allen Opfern von Krieg und Vertreibung zu gedenken.

Wie im vergangenen Jahr spielte beim anschließenden traditionellen "Böhmischen Abend" im Sporthotel in Ebenau ein Trio aus Budweis böhmische Blasmusik. Deren schwungvolle Weisen ließ bei gutem Essen und Trinken eine angenehme Kirchweih-Atmosphäre aufkommen. Es wurde viel getanzt und erzählt. Auch Franz Puritscher aus Kaltenbirken gab wieder Gedichte in Böhmerwälder Mundart zum Besten. Doch auch die Information über die Böhmerwaldheimat kam nicht zu kurz: unser Schriftführer Edmund Koch zeigte in gekonnter Weise eine Computerpräsentation über die Bauerndörfer rechts der Moldau am Beispiel des Heimatortes seines Vaters, der Ortschaft Ruben, die auch zur Ottauer Pfarrei gehörte. Seine Ausführungen unter dem Titel "Der Ort Ruben - uralte Bauerntradition im Böhmerwald" regten zu vielen Fragen und Gesprächen an und die Anwesenden dankten ihm seine Mühen mit einem ehrlichen Applaus. Vielleicht sind Gelegenheiten wie diese der Anstoß für den einen oder anderen, sich stärker mit der Heimat unserer Vorfahren zu beschäftigen oder sich im Förderkreis zur Renovierung der Kirche zu engagieren?!

Am Sonntagmorgen gab es noch eine Überraschung: In Hoschlowitz konnte das renovierte "Mikschn-Marterl", das am Ortsrand neben dem alten Kirchweg von Hoschlowitz über Ebenau nach Ottau steht, neu gesegnet werden. Im vergangenen Mai kam in einem Gespräch zwischen Förderkreismitgliedern und dem Bürgermeister von Wettern, Herrn Kubík die Sprache auf das vom Einsturz bedrohte Marterl. Bürgermeister Kubík versprach seinerzeit, die Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen und tatsächlich schaffte er es, das ehemals zum "Mikschn-Bauernhof" der Familie Anderl gehörende Marien-Marterl rechtzeitig zur Kirchweih zu renovieren. Die Kosten beliefen sich auf ca. 2.000 Euro.

Marterl Einweihung in Hoschlowitz

Renoviertes "Mikschn-Marterl" (Das alte Marienbild war zum Zeitpunkt der Segnung noch bei der Renovierung.)


Das Bild zeigt einen Teil der bei der Segnung durch Pater Müller anwesenden Personen, die sich links und rechts des Bildstocks augestellt haben. Darunter befindet sich - leicht verdeckt hinter dem Ehepaar Kopani - auch Robert Hampl, Juniorchef vom "Hotel Green" in Wettern (ehemalige Spiro-Villa), der uns als Dolmetscher zur Verfügung steht und der daneben dankenswerterweise auch den Pfosten für das neu angebrachte zweisprachige Hinweisschild mit der Aufschrift "Historische Kirche / Historický Kostel" unterhalb der Ottauer Schule setzen ließ. Bürgermeister Kubík, der bei der Neusegnung leider nicht anwesend sein konnte, danken wir herzlich für sein Engagement, ein altes Kulturdenkmal für zukünftige Generationen erhalten zu haben. Als nächstes Projekt wird über die Renovierung des Marterls in Ottau an der Abzweigung zur Kirche nachgedacht. Die Kosten belaufen sich auf ca. 850 Euro, für die allerdings noch Geldgeber gesucht werden.

Um 11:15 Uhr begann dann der in Teilen zweisprachige Kirchweih-Gottesdienst in der schön geschmückten Kirche mit dem Hauptzelebranten HH. Pater Müller und dem für Ottau zuständigen HH. Vikar Picha aus Krumau. Die Feier wurde dankenswerterweise umrahmt von Herrn Horyna an der Orgel und von Frau Birgit Demuth (Tochter der "Reitbaun-Kathi"), die das "Ave Maria" vortrug. Es wurden auch wieder einige Lieder aus der Schubert-Messe gesungen. Pater Müller ging in seiner Predigt der Frage nach, was wir von Johannes dem Täufer lernen können. Auch gedachte er namentlich den seit dem letzten Treffen verstorbenen Pfarrangehörigen. Vikar Picha richtete freundliche Grußworte an die "lieben Landsleute", die von unserem Förderkreismitglied und Internet-Betreuer Jakub Simek, übersetzt wurden. Am Ende des Gottesdienstes dankte sowohl Vikar Picha als auch Pater Müller Franz Kopani und den Vorstandmitgliedern für deren Einsatz zum Wohle der Ottauer Kirche und Pfarrgemeinschaft sowie den Spendern für ihre Großherzigkeit. Franz Kopani schloss sich dem Dank an die treuen Spender an und revanchierte sich mit seinem Dank an die beiden Geistlichen, an die Musiker und nicht zuletzt an alle Besucher, die durch ihr Kommen die Verbundenheit mit ihrer alten Heimat oder derjenigen ihrer Vorfahren zeigen. Zum Abschluss sangen alle das "Böhmerwaldlied". Gezeigt wurden bei diesem Gottesdienst auch zwei auf Initiative und Kosten von Pater Müller in einer speziellen Stickerei in Munderkingen restaurierten Paramente aus dem 19. Jahrhundert. Diese hingen schwer beschädigt seit der Vertreibung unbeachtet in der Sakristei, wo sie Nässe und Motten ausgesetzt waren. Jetzt sehen sie wieder wie neu aus und sollen zukünftig bei Gottesdiensten in der Ottauer Kirche getragen werden. Die Pfarrgemeinde dankt Pater Müller herzlich für sein Engagement!

Die Feierlichkeiten setzten sich mit einem gemeinsamen Mittagessen im Sporthotel unter Anwesenheit von Vikar Picha und Pater Müller fort und klangen am späteren Nachmittag nach einem regen Austausch von Erinnerungen und Neuigkeiten langsam aus. Die Besucher waren sich einig, einen schönen "Kirta" erlebt zu haben und freuen sich schon auf das nächste Jahr! Dann soll in einem etwas größeren Rahmen am verlängerten Wochenende 27. - 29. August 2010 das 500-jährige Jubiläum der Kirche gefeiert werden. Daher bitten wir schon heute alle, die sich mit der Ottauer Kirche verbunden fühlen, diesen Termin vorzumerken und bei den Urlaubsplanungen für das nächste Jahr zu berücksichtigen. In den nächsten Monaten werden an dieser Stelle weitere Informationen über den Ablauf veröffentlicht.

Einige Besucher, die noch übers Wochenende hinaus in Ottau blieben, erwanderten in der folgenden Woche unter der Führung von Franz Kopani die nähere und weitere Umgebung von Ottau.

Neues aus Ottau und Umgebung

Das Hotel "Fara" im alten Pfarrhof ist immer noch geschlossen. Wie es dort weitergeht, ist nach wie vor unklar. Das lange zum Verkauf stehende "Stepka-Haus" in Ottau sowie das "Anderl-Haus" in Ebenau neben dem ehemaligen Lebensmittelgeschäft Stadler sind mittlerweile verkauft und werden derzeit renoviert. Die nach der Vertreibung von den neuen Besitzern zum Haus umgebaute Scheune der Familie Sixtl in Ebenau wurde dieses Frühjahr erweitert und macht einen gepflegten Eindruck.

Christoph Anderl, 11.09.2009






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